Soforthilfe Deutschland · 12 Min.

Notfallnummern: Karte, Konto oder Handy sperren

Das Wichtigste zuerst

Karte weg? Sofort 116 116 anrufen.

Nicht erst weitersuchen. Sperre die Karte jetzt. Bei unmittelbarer Bedrohung gilt 110, bei Lebensgefahr 112.

Karte weg? Jetzt handeln.

1. Sperr-Notruf anrufen

Deutschland · rund um die Uhr116 116 anrufen

Die Nummer sperrt jede girocard. Kreditkarten lassen sich dort sperren, wenn der Herausgeber teilnimmt. Halte möglichst IBAN oder Kontonummer und Bankname bereit. PIN und TAN werden nicht benötigt.

2. Sperrung bestätigen lassenUhrzeit notieren und danach in der Banking-App kontrollieren.
3. Bei Diebstahl oder AbbuchungKarte zuerst sperren, anschließend Polizei und Bank kontaktieren.

116 116 funktioniert für deine Kreditkarte nicht? Öffne die Banking-App selbst und nutze dort „Karte sperren“ oder die offizielle Notfallnummer deiner Bank. Keine Telefonnummer aus SMS, E-Mail oder Suchanzeige verwenden.

Wenn Karte, Handy oder Zugangsdaten weg sind, zählt die Reihenfolge. Diese Übersicht gilt für Deutschland und führt direkt zu den richtigen Stellen. Speichere die wichtigsten Nummern zusätzlich offline – im verlorenen Handy helfen sie dir sonst nicht.

Die wichtigsten Nummern auf einen Blick

  • 110 – Polizei: bei akuter Gefahr, Bedrohung, Diebstahl mit unmittelbarem Handlungsbedarf oder laufender Straftat.
  • 112 – Feuerwehr und Rettungsdienst: bei Lebensgefahr, schweren Verletzungen, Unfall oder Feuer; europaweit erreichbar.
  • 116 116 – zentraler Sperr-Notruf: für viele Girocards, Kreditkarten, Onlinebanking-Zugänge, SIM-Karten und weitere elektronische Berechtigungen.
  • +49 116 116 – Sperr-Notruf aus dem Ausland; falls das Netz die kurze Nummer nicht unterstützt: +49 30 4050 4050.
  • 116117 – ärztlicher Bereitschaftsdienst für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten.

Kreditkarte oder Girocard verloren

  • Rufe sofort 116 116 an – nicht erst suchen oder bis zum nächsten Morgen warten.
  • Halte Bankname, Kartenart, Kontodaten oder IBAN bereit, soweit vorhanden.
  • Prüfe danach in der Banking-App, ob die Karte als gesperrt angezeigt wird.
  • Kontrolliere Umsätze und melde unbekannte Zahlungen zusätzlich direkt der Bank.
  • Nicht jede Bank und jeder Kartentyp nimmt am zentralen Sperr-Notruf teil. Nutze dann die Notfallnummer auf der offiziellen Website oder in der Banking-App.
  • Bei Diebstahl Anzeige erstatten; für die girocard kann die Polizei zusätzlich eine KUNO-Sperrmeldung veranlassen.

Onlinebanking oder TAN weitergegeben

  • Bank sofort über 116 116 oder ihre offizielle 24-Stunden-Notfallnummer kontaktieren.
  • Onlinebanking-Zugang und betroffene Karten sperren lassen.
  • Keine Nummer aus der verdächtigen Nachricht, Suchanzeige oder dem Gespräch verwenden.
  • Unbekannte Überweisungen ausdrücklich melden und einen Rückrufversuch veranlassen.
  • Passwort von einem vertrauenswürdigen Gerät ändern und aktive Sitzungen beenden.
  • Nachrichten, Empfängerkonto, Uhrzeit und Screenshots als Beweise sichern.

Handy oder SIM-Karte verloren

  • SIM über 116 116 oder direkt beim Mobilfunkanbieter sperren lassen.
  • Gerät über Apple „Wo ist?“ oder Googles Gerätesuche als verloren markieren.
  • Mobilfunkkonto und zentrale E-Mail absichern; unbekannte Sitzungen beenden.
  • Nicht allein zu einem angezeigten Standort fahren. Bei Diebstahl die Polizei einschalten.
  • IMEI und Kaufbeleg für Anzeige und Versicherung bereithalten, falls vorhanden.

Wann 110 – und wann die Onlinewache?

Die 110 ist für Situationen gedacht, in denen du in Gefahr bist, einer Straftat ausgesetzt bist oder ein sofortiger Polizeieinsatz erforderlich ist. Eine normale Kartenverlustmeldung ohne Gefahr gehört nicht dorthin.

Bereits abgeschlossenen Internetbetrug, Datenmissbrauch oder Kontomissbrauch kannst du über die offizielle Onlinewache der Polizeien anzeigen. Die Onlinewache ist kein Notruf.

Diese Angaben solltest du bereithalten

  • Name und Anschrift.
  • Bank, Mobilfunkanbieter oder betroffener Dienst.
  • IBAN, Kartenart oder die letzten bekannten Kartendaten – niemals PIN oder TAN nennen.
  • Zeitpunkt von Verlust, Anruf oder verdächtiger Zahlung.
  • Unbekannte Empfänger, Beträge und Buchungsdetails.
  • Aktenzeichen, Sperrbestätigung und Namen der kontaktierten Stellen notieren.

Wichtiger Schutz vor falschen Hotlines

Betrüger schalten gefälschte Supportseiten und Suchanzeigen. Öffne die Banking-App selbst, tippe die bekannte Adresse ein oder nutze 116 116. Eine echte Sperrstelle verlangt nicht, dass du Geld auf ein „Sicherheitskonto“ überweist.

PIN, TAN, Passwörter und Freigabecodes werden am Telefon nicht benötigt, um eine Karte zu sperren. Beende das Gespräch, wenn danach gefragt wird.

SCHUFA prüfen – kostenlos und ohne Abo

Wenn fremde Verträge, Rechnungen oder Kreditanfragen auftauchen, bestellst du bei der SCHUFA die kostenlose „Datenkopie nach Art. 15 DSGVO“. Für die eigene Kontrolle brauchst du keine kostenpflichtige Bonitätsauskunft und kein dauerhaftes Abo.

Prüfe besonders unbekannte Konten, Kredite, Mobilfunkverträge, Anfragen und abweichende Adressen. Eine unauffällige SCHUFA-Auskunft schließt Identitätsmissbrauch nicht vollständig aus, weil Unternehmen auch andere Auskunfteien nutzen oder noch keine Meldung erfolgt ist.

Wie Bonify funktioniert

Bonify bietet nach Registrierung und Identitätsprüfung einen kostenlosen digitalen Einblick in SCHUFA-Daten. Angezeigt werden können der aktuelle Score, gespeicherte Verträge, negative Einträge und Anfragen der vergangenen zwölf Monate. Bonify kann außerdem über neue negative SCHUFA-Einträge informieren.

Bonify ist kein unabhängiger Gegenpol zur SCHUFA: Das Unternehmen wurde Ende 2022 von der SCHUFA übernommen. Die Verbraucherzentrale bewertet kritisch, dass dieselbe Unternehmensgruppe Bonitätsdaten bereitstellt, erklärt und zugleich Finanzprodukte vermittelt.

Was du für Bonify freigibst

  • Für die Registrierung werden persönliche Daten und eine eindeutige Identifizierung benötigt.
  • Der vollständige Dateneinblick funktioniert am direktesten mit der Online-Ausweisfunktion eID.
  • Alternativ nennt Bonify Kombinationen aus Ausweis-/Selfie-, Bank- oder Briefidentifikation.
  • Eine Bankverknüpfung zur reinen Identifizierung ist laut Bonify nicht dasselbe wie der Zugriff auf Kontoumsätze.
  • Für Finanzmanager- oder FinFitness-Funktionen muss das Bankkonto dagegen verbunden werden.
  • Nach eigener Angabe finanziert sich Bonify durch die Vermittlung von Krediten, Versicherungen, Mobilfunk- und anderen Finanzprodukten.

Bonify oder kostenlose Datenkopie?

  • Einmal prüfen oder konkreten Identitätsdiebstahl klären: kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO direkt bei der SCHUFA.
  • Daten laufend beobachten und Warnungen erhalten: Bonify kann bequemer sein, verlangt dafür aber Konto, Identifizierung und weitere Datenverarbeitung.
  • Unterlagen für einen Vermieter: eine dafür vorgesehene Bonitätsauskunft verwenden – nicht die vollständige Datenkopie mit unnötigen Detaildaten weitergeben.
  • Falschen Eintrag korrigieren: direkt SCHUFA und meldendes Unternehmen anschreiben; Bonify ersetzt diesen Vorgang nicht.
  • Bankkonto nur verbinden, wenn du die konkrete Zusatzfunktion verstehst und wirklich nutzen willst. Für den SCHUFA-Einblick ist eine dauerhafte Umsatzanalyse nicht grundsätzlich nötig.

Identitätsdiebstahl bei der SCHUFA melden

  • Strafanzeige erstatten und Bestätigung beziehungsweise Aktenzeichen sichern.
  • Identitätsmissbrauch direkt bei der SCHUFA melden und geeignete Nachweise beifügen.
  • Falsche Einträge konkret benennen und Berichtigung, Löschung oder Einschränkung der Verarbeitung verlangen.
  • Auch das Unternehmen anschreiben, das den falschen Vertrag oder Eintrag gemeldet hat.
  • Während die Richtigkeit eines bestrittenen Eintrags geprüft wird, soll dieser nach Angaben der Verbraucherzentrale gesperrt und nicht weitergegeben werden.
  • Nach der Korrektur erneut eine kostenlose Datenkopie anfordern und das Ergebnis kontrollieren.

Nicht nur SCHUFA: weitere Auskunfteien

Je nach Händler oder Dienst können auch CRIF, Creditreform Boniversum oder Experian mit Infoscore Consumer Data beteiligt sein. Bei konkretem Verdacht solltest du auch dort eine kostenlose Selbstauskunft nach Art. 15 DSGVO verlangen.

Beantrage Auskünfte direkt bei der jeweiligen Auskunftei. Drittanbieter, die für eine eigentlich kostenlose Datenauskunft Geld verlangen, sind nicht notwendig.

Unbekannte Rechnung, Inkasso oder Mahnbescheid

  • Nicht vorschnell zahlen, aber Schreiben auch nicht ignorieren.
  • Dem Unternehmen und Inkassodienst schriftlich mitteilen, dass kein Vertrag geschlossen wurde und Identitätsmissbrauch vorliegt.
  • Vertragsnachweis und gespeicherte personenbezogene Daten verlangen; Strafanzeige als Nachweis beifügen.
  • Einem gerichtlichen Mahnbescheid innerhalb von zwei Wochen widersprechen. Das Gericht hat die Forderung vorher nicht inhaltlich geprüft.
  • Bei hoher Forderung, Klage oder Unsicherheit Verbraucherzentrale oder anwaltliche Hilfe einschalten.
  • Alle Schreiben, Umschläge, Sendebelege und Antworten geordnet aufbewahren.

Offline-Notfallzettel

  • 116 116 und die eigene Bank-Notfallnummer.
  • Mobilfunkanbieter und Vertragsnummer.
  • IBAN und Kartenanbieter, aber keine PIN oder Passwörter.
  • IMEI des Smartphones.
  • Kontakt einer vertrauten Person.
  • Den Zettel geschützt zu Hause oder auf Reisen getrennt vom Portemonnaie aufbewahren.

Quellen und Prüfgrundlage